Watt und Weite erleben auf der Nordseeinsel Föhr

Hafen und Strand von Wyk auf Föhr

Unter den drei großen Nordfriesischen Inseln, Sylt, Amrum und Föhr, nimmt Föhr eine Sonderstellung ein. Durch seine Lage ist es dem direkten Zugriff der Nordsee entzogen. Sylt und Amrum fangen die harte Brandung ab. Diese Inseln haben hohe Dünenaufwehungen, karge, herbe Heide und nur im geschützteren Osten verhältnismäßig kleine Marschflächen. Das entrücktere Föhr dagegen ist grün. Es hat ein zweifaches Gesicht: drei Fünftel fettes Marschland, zwei Fünftel beackerte Geest; dazu baumumstandene, stille alte Dörfer an der Grenze beider Bereiche. Ein hoher Seedeich schirmt das grasige unbesiedelte Marschland des Nordens ab. Gräben und „Wasserlösungen“ sammeln das Wasser und führen es durch Sieltore im Deich dem Meere zu. Das höhere Geestland dagegen ist ungeschützt. Es liegt am Südrand der Insel im Abbruch. Das Meer hat hier eine Kliffküste geschaffen, vor deren schönster Stelle, dem Gotingkliff, zahllose Findlingsblöcke liegen, Zeugen der eiszeitlichen Herkunft und Prägung dieser Grundmoränenlandschaft. Bei Ebbe werden hier Baumstubben frei: Sie zeigen an, dass die Föhrer Geest einst weiter meerwärts reichte.

Watt so weit das Auge reicht

Föhr erhebt sich auf einem Sockel riesiger, bei Ebbe weithin begehbarer Watten, die der Insel eine wunderbare, maritime Weite verleihen. Es sind zum Teil in historischer Zeit untergegangene Marschländer. Tiefgefurchte Rinnen, die Wattströme (Norder Aue, Vortrapptief), zerfurchen die flachen Schlick-Sandrücken und dienen den Schiffen in dem an Untiefen reichen Wattenmeer als Zufahrtsstraßen zu den Inseln. Dieser geschützten Lage verdankt Föhr sein viel gelobtes mild-ozeanisches Heilklima und Wyk, die einzige Stadt der Insel, die Entwicklung zum Heilbad.

Die wechselvolle Geschichte dieses heute so blühenden Kurortes spiegelt sich in seinem Stadtbild wider. Der Kern der Siedlung liegt um den Hafen- bereich und die Reede am Sandwall. Hier im Osten mündet die große Osterlandführer Wasserlösung, die an der Grenze von Marsch und Geest die Insel durchzieht und sich im Schmaltief als Wattrinne fortsetzt. Auf dieser Wasserstraße können flache Segler weit landein bis Midlum und zur Lembecksburg fahren. De Wick, eine buchtartige Erweiterung der Mündung, war seit je die Hauptanseglungsstelle der Insel. Schiffe überwinterten hier und suchten Schutz bei Sturmfluten. So entstand am öden „Salzgras“, zunächst wohl mehr als Aussiedlung aus dem bäuerlichen Mutterdorf Boldixum, eine armselige Fischer- und Schiffersiedlung. Schiffszimmerhütten und Packhäuser wurden errichtet, Handwerker und Händler zogen zu. So war dieser Hafenort von vornherein andersartig als die bäuerlichen Dörfer des Hinterlandes. Nach den großen Sturmfluten des Mittelalters erhielt Wyk jedesmal Zuzug von obdachlosen Halligbewohnern.

Geschichte Föhrs

1663 zählte die Siedlung 223 Einwohner. Es war die Zeit des Walfangs, den auch die Wyker eifrig betrieben. Handel und Seefahrt blühten, Geld kam in den Ort. Das sehr sehenswerte Wyker Friesenmuseum birgt viele Zeugnisse dieser nordischen Blütezeit. Mit dem Niedergang des Walfangs versank auch Wyk in Bedeutungslosigkeit und geriet von einer Krise in die andere. Deren Hauptursache war die ständige Verschlickung der Hafenmündung sowie der Mangel an Geld und fehlende Unterstützung von seiten der bäuerlich eingestellten Verwaltung der Landschaft Osterlandführ. Die Lage Wyks änderte sich erst, als seine Einwohner darangingen, „die Luft zu verkaufen“, und in der ersten „Saison“ im Jahre 1819 stellten sich 61 Kurgäste ein. Dieses mit besonders mildem Klima gesegnete junge Bad war, bis Föhr preußisch wurde, der bevorzugte Erholungsort der dänischen Könige. Im Stadtbild erinnert manches an diese erste Glanzzeit des Bades. Friedrich Vl. stiftete 1000 Ulmen zur Bepflanzung des Sandwalls.

Bildquelle: Lars-Hendrik Frahm @ fotolia.com

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