Naturschutzparks in Florida

Wasserfläche in den Everglades, Florida, USA

Auf ihrer Flucht vor dem unaufhaltsamen Vordringen der Bleichgesichter haben sich die seminolischen Indianer hierhin zurückgezogen. Im Dunkeln des Mangrovenwaldes, im von Alligatoren beherrschten Moorgebiet, auf den Inseln des River of Grass, die von unheimlichen Pumas bevölkert sind; wer hätte sich je getraut hier an Land zu gehen? Ich meine nicht nur jene, die hier Rothäute jagten, sondern auch jene, die nur eben mal fischen gehen wollten. Vor 100 Jahren hätten nicht einmal John Wayne oder Buffalo Bill eine solche Herausforderung angenommen.

Und so blieb das Reich der Everglades bis zur Hälfte unseres Jahrhunderts in den Händen der Indianer, rein, unverletzt und ruhig. Unser Jahrhundert brachte Autos, Zement, intensivierten Ackerbau, Industrie und Autobahnen bis in den Süden Floridas. Was die Siedler mit ihren Winchester-Gewehren nicht ausrichten konnten, wurde von Bulldozern und Betonbauten verrichtet. Zum Glück verliebte sich 1947 der amerikanische Präsident Harry Truman in die Everglades und in einer seiner historischen Ansprachen sagte er: „In seiner heiteren Schönheit ist dies ein ruhiger Platz“. Dies war das Jahr, in dem Everglades National Park ins Leben gerufen wurde, der sich über 5.230 Km² erstreckt und der drittgrößte Naturschutzpark der Vereinigten Staaten ist. Dieser Park, jungfräuliche Natur im Ausmaß Liguriens, hat in etwa die Form eines Herzens.

Doch dies ist nicht die einzige Sehenswürdigkeit, die Florida zu bieten hat; um nur zwei Beispiele zu nennen: der unendlich ausgedehnte Wald von Silver Springs, zwischen Gainesville und Orlando (sein richtiger Name ist Ocala National Forest), und der submarine Park von Key Largo, der sich im Süden Miamis befindet und seinen Besuchern 40 verschiedene Arten Korallen und 650 verschiedene Arten von tropischen Fischen darbietet (sein wirklicher Name ist John Pennekamp Coral Reef State Park). Doch sind die Everglades auch noch etwas mehr, etwas Einzigartiges und Spezielles. Als Christoph Kolumbus an der Südspitze Floridas an Land ging, schrieb er, beeindruckt von ihrer Undurchdringlichkeit: „Diese Pflanzen sind so dicht gewachsen, dass selbst ein Kaninchen sich hier nicht hindurch wagen würde“.

Die Everglades sind ein imposantes Naturphänomen und beherbergen mehr als tausend Pflanzenarten, etwa 350 Vogelarten, 300 verschiedene Fischarten und ‚zig weitere Typen von Reptilien, Lurchen, Säugetieren, Wirbellosen und Insekten. Diese Tiere verdanken ihre Existenz dem regelmäßigen Hochwasser des Lake Okeechobee, der während der Regenzeit über die Ufer tritt und durch ein Wirrwarr von Kanälen die ganze Südspitze Floridas bis zum Meer überschwemmt.

Die Wasser sind flach und nur wenige Zentimeter tief, doch reicht es aus, um ein Ökosystem von unglaublichem Reichtum und Vitalität ins Leben zu rufen. Sie sehen aus wie stille Wasser und deshalb erstaunen sie wegen ihrer bläulichen Farbe. Diesen Kuriositäten verdankt sich ihrem langsamen, konstanten, aber unaufhörlich Fließen.

Hier schwirrt es von Reihern, Störchen, Ibisen, Kormoranen, rosa Löfflern, Schlangenhalsvögeln und einigen selten gewordenen Flamingos, von den rätselhaften Aligatoren (ungefährlich, wird behauptet) und Fischottern. Hier treiben sich Pumas, rote Luchse, Lamantinen und die Hirsche mit weißer Jakobsmuschel um. Hier blühen Mangroven, Feigenbäume und Seerosen die aussehen wie zweifarbige Teppiche: das brillante Grün der Blätter und das Weißrosa der Blüten. In den nahrungsreichen Gewässern wimmelt es nur so von Fischen.

Die Everglades sind jedoch nicht die Vorgeschichte. Hier lebt man nicht in einem unberührbaren Paradies, im Gegenteil: Hier blüht ein formidables Business. Im Inneren der Everglades befindet sich das Flamingo Visitor Center das über Zimmer, Anlegestege, Restaurant und Campingplatz verfügt. Die letzten seminolischen Indianer leben hier bestens, sie verkaufen den Besuchern Hamburger und torkeln mit der Whiskyflasche herum.

Unter den Dingen, die die Führer mitteilen, gibt es eins das Sorgen bereitet: Der Park lebt im Alptraum einer ökologischen Bedrohung. Der Okeechobeesee führt wenig Wasser, Ackerbau, Industrie und Wohnungen „rauben“ es den Everglades. Von überall her hört man Rufe nach einem neuen Harry Truman, der diese neue Gefahr abzuwenden weiß.

Bildquelle: mikesch112 – Fotolia.com

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