Flotte Tage und lange Nächte in Hamburg

Die oberste Regel für Hamburgbesucher lautet: Auto stehen lassen. Erstens gibt es nirgends Parkplätze. Zweitens ist es gar nicht so leicht, dahin zu kommen, wo man hin will (zum Beispiel gelingt es aus Gründen, die keiner kennt, auf Hauptstraßen nie, im entscheidenden Moment links abzubiegen). Und drittens ist man ja hier, um sich zu amüsieren und nicht, um sein Nervenkostüm zu strapazieren.

Hotels gibt es in einer Stadt wie Hamburg natürlich viele; so auch das Hafen Hamburg. Es heißt aus gutem Grund so, denn es hat einen unvergleichlichen Blick auf das Herzstück der Hansestadt. Buchen Sie ein Zimmer mit Aussicht! Und weil man nirgendwo auf der Welt so dicke Pötte aus nächster Nähe bewundern kann wie in Hamburg, geht man am ersten Abend auch in ein Restaurant mit Elbpanorama, ins Rive. Der Fisch ist hier frisch, der Service aufmerksam und die Preise sind, wie der Hamburger sagen würde, reell.

Nach dem Essen gibt es nur eines: zurück Richtung Hotel und im Geiste des seligen Hans Albers „einen Reeperbahnbummel gemacht”. Zwar liegen Nepp und Szene auf dem berühmten Kiez dicht beieinander, aber sehenswert ist die Mischung allemal. Bis Mitternacht geöffnet: das Erotik- Museum. Die härteste Live-Sexshow: im Salambo. Die lauteste Disko: das After Shave. Die kitschigste Lokalität: das Herz von St. Pauli. Vor Schleppern und Drogenverkäufern sei gewarnt. Stilvoller Abschluss: ein Drink in der Tower-Bar des Hotels hoch über der Hafenkulisse.

Am nächsten Morgen spart man das Pflichtprogramm und verzichtet auf den mühsamen Aufstieg zum Michel, auf die Stadtrundfahrt mit der Hummelbahn und was es sonst noch an fragwürdigen Hamburgensien gibt. Man lernt die Stadt stattdessen von ihrer Schokoladenseite kennen. Wertvolle historische Baudenkmäler, die man unbedingt gesehen haben muss, gibt es in der Hansestadt ohnehin kaum. Sie ist (und bleibt hoffentlich) ein Gesamtkunstwerk. Vom Hotel aus sind es nur ein paar Schritte zur U- und 5- Bahnstation zu den Landungsbrücken. Mit der U-Bahn geht es vorbei zwischen Kontorhäusern und Schiffen bis zur Station Rathaus. Der Rathausmarkt (schön groß und meistens leer) wird zu Fuß gequert, und hinein ins Hamburger Geschäftsleben: Alte Post, Gaileria, Kaufmannshaus, Hanse- Viertel, Bleichenhof heißen die Einkaufspassagen, in denen sich alles finden lässt, was man so braucht, und noch einiges mehr. Deutschlands größte Spezialbuchhandlung für Karten und Reiseliteratur: Dr. Götze. Feinste Accessoires für den Schreibtisch: Waltraud Bethge. Edelste Inneneinrichtungen: Holger Stewen. Teuerste Boutiquen: Rund um den Neuen Wall und den Jungfernstieg. Größte Auswahl an Delikatessen und schönste Getränkeabteilung: im Alsterhaus unter dem Dach. Und dann ist es Zeit für eine Rast im Alsterpavillon. Die Meinungen über das Interieur gehen auseinander, die über das Exterieur nicht: Hier zeigt sich die Binnenalster von ihrer besten Seite.

Sobald die Füße wieder tragen, betritt man gleich nebenan die weit verzweigten Katakomben der U- und S-Bahnstation Jungfernstieg. Gehen Sie den grünen Schildern der S-Bahn in Richtung Wedel/Blankenese nach. In exakt 23 Minuten bringt Sie diese hinaus in den „schönsten Vorort der Welt” (Blankeneser Eigenlob). Am Bahnhof Blankenese steigt man um in den Bus und fährt bis zur Endstation Falkenstein. Schon stehen Sie mitten im Wald. Vorbei am Institut für Friedensforschung geht es auf dem Elbhöhenweg Richtung Sven-Simon-Park. Dort hinab zum Elbufer, und es winkt am Rande eines Zeltplatzes die erste von vielen Einkehrmöglichkeiten, das Café Palmgarten.

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