Uluru – Ayers Rock

Verzaubert, mysteriös und verehrt von den Aborigines: Uluru, Ayers Rock. Eines der Wahrzeichen Australiens und ein enormes Rätsel aus Stein, rot wie das Feuer, wenn es die Sonne einfängt. Sonst aber präsentiert sich der einsame Felsen in allen Farben. Hier ist die Geschichte des letzten heiligen Berges, in der Mitte zwischen der Legende, der Wahrheit und der Faszination, die er auf alle ausübt, die sich ihm nähern.

Traumzeit

Ayers Rock ist ein Rätsel aus Fels, das das Geheimnis des Universums in sich trägt. Für die Aborigines ist Uluru, der Berg des Traums, heilige Quelle des Lebens, Bild des kosmischen Eis, das die göttliche Macht bei der Schöpfung in der Mitte der Welt abgelegt hat. Nach ihrer Vorstellung gab es bei Schöpfungsbeginn keinen Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit; dann erfüllte ein Blitz, die Vision des Großen Geistes, den Himmel, zerbarst in Millionen kleiner Lichtsegmente, die die Form einer ständig wechselnden Wirklichkeit annahmen. Das Licht und seine unbegrenzten Formen kristallierten sich in der gigantischen Masse von Ayers Rock und schafften den Heiligen Berg. Er hat eine Höhe von 350 Metern, eine Breite von 2 500 Metern und einem Umfang von fast 9 000 Metern.
Dieser außergewöhnliche Berg ist Teil einer unterirdischen Gesteinsschicht aus rötlichem Sandstein, der sich südlich von Alice Springs und gut 30 Kilometer vom Massiv des Mount Olga einsam in der Wüste erhebt, könnte die Kuppe eines vorweltlichen Mastodons sein, das vor 600 Millionen Jahren ausstarb, als himmlische Sintfluten die Wüste in einen dichten Dschungel mit endlosen Sümpfen verwandelt hatten. Um diesen nackten und herben Felsen legt die Sonne vom Morgen bis zur Dämmerung ein ganz besonderes Licht. Stärke und Einfall der Sonnenstrahlen lösen ein Naturschauspiel aus, das ständig neue Bilder hervorbringt, Grotten verdeckt oder sie entdeckt, vertikale Schluchten offenlegt wie Adern, die auf ein unsichtbares Zentrum zulaufen. Der Heilige Berg scheint zu leben, wenn Sonne und Wolken mit ihren Lichtspielen die von der Erosion geschlagenen Scharten in Besitz nehmen. Die Gesteinsmasse vermittelt plötzlich den Eindruck, als belebe sie ein ewiger Atem.

Manchmal steht ein Regenbogen über dem Berg, so als wollte er den geistigen Inhalt seine Existenz und dessen Konturen hervorheben, die für das nackte Auge unsichtbar bleiben. Seit sieben Jahren wird der Berg von der australischen Regierung offiziell als Heiligtum der Aborigines anerkannt. Er gehört den Eingeborenen, die ihn seit abertausenden von Jahren verehren wie auf der nördlichen Halbkugel nur der Olymp oder der Sinai verehrt wurden.

Tourismus am Ayers Rock

Einige hundert Meter von Ayers Rock entfernt weist ein Schild darauf hin: “Aborigene Area. Do not enter!” Ganz so ernst wird diese Aufforderung allerdings nicht genommen. Der Beweis dafür steht in Yulara, nahe dem heiligen Gebiet: Es ist ein Touristendorf erster Klasse, das sich steigender Beliebtheit erfreut. Die Australier und Touristen aus aller Herren Länder kommen von Alice Springs im Auto, im Bus oder im Flugzeug. Ayers Rock ist ein nationales Wahrzeichen geworden wie das der Bucht oder der Oper von Sydney. Denn der Berg ist für Australien so typisch und einzigartig wie der Bumerang oder das Känguru. Doch die Touristen begnügen sich nicht mit der Ansicht aus der Ferne. Viele versuchen gar, den Berg zu besteigen, ohne Angst, von den gestörten Gottheiten bestraft zu werden. Dass viele der Bergsteiger an einem plötzlichen Herzanfall sterben, ist natürlich reine Legende – die aber von vielen geglaubt wird.
Die Eingeborenen, die die plötzliche Neugier der Weißen erstaunt, versuchen – ohne viel entwickelten Geschäftssinn – von den Touristen zu profitieren. Sie verkaufen Handarbeiten, die sie nach den Regeln ihrer Stammestradition hergestellt haben. Der Felsen allerdings, rot und unbewegt, wirkt weiterhin wie ein Raumschiff auf der Fahrt zu unbekannten Sternen.

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